
Der SV Friedersdorf - Eine kleine Weihnachtsgeschichte
23 Dez
Der SV Friedersdorf - Eine kleine Weihnachtsgeschichte
Vergangenheit neu gedacht...
1. Halbzeit – Der kalte Vereinsgeist
Es war der 23. Dezember in Friedersdorf. Die Straßen waren verschneit, aus den Fenstern leuchteten Lichterketten, und selbst das Vereinsheim des SV Friedersdorf war mit ein paar Tannenzweigen geschmückt worden. Nur einer konnte dem ganzen Trubel nichts abgewinnen: Patrick Jung, erster Vorsitzender des Vereins, Vereinsverwalter, Platzwart – kurz: der Mann mit dem Überblick über alles. Im Verein nannte man ihn halb im Scherz, halb im Ernst: Scrooge.
Patrick Jung war bekannt dafür, dass er mit jedem Cent umging wie mit einem Rückpass im Strafraum: lieber zu viel Vorsicht als Risiko. Wenn jemand neue Bälle brauchte, musste er es drei Mal beantragen. Weihnachtsfeiern? Überbewertet. Trainingsausfälle wegen Schnee? „Schnee ist Konditionstraining!“ Weihnachten? „Das hält nur vom Spielbetrieb ab!“
An diesem Abend saß er noch spät allein im Vereinsbüro. Draußen war der Platz längst vereist, doch innen brannte nur eine kleine Schreibtischlampe. Sein Co-Trainer Thomas Hartmann (alias Bob Cratchit) hatte längst Feierabend gemacht – er wollte mit seiner Familie feiern, allen voran mit seinem fußballbegeisterten Sohn Tim Duckstein (alias Tiny Tim), der trotz gesundheitlicher Probleme jedes Spiel des SVF verfolgte.
Da klopfte es leise an die Tür. Christian Richter, Scrooges fröhlicher Neffe (alias Fred Holywell), trat ein – in SVF-Pullover, mit Nikolausmütze.
„Onkel Patrick! Wir feiern morgen die große SVF-Weihnachtsfeier im Vereinsheim – mit Jugendmannschaften, Glühwein, Videos von alten Spielen... komm doch vorbei!“
Patrick sah ihn über den Brillenrand hinweg an.
„Weihnachtsfeier? Humbug. Der Verein braucht Punkte, keine Plätzchen.“
Christian seufzte, lächelte aber. „Dir ist echt nicht zu helfen. Aber wir lieben dich trotzdem. Frohe Weihnachten!“ Und damit verschwand er in die kalte Nacht.
2. Halbzeit – Die Geister kommen aufs Spielfeld
Allein zurückgeblieben, legte Patrick den Kopf auf den Schreibtisch. Doch dann erklang plötzlich ein Rasseln – Ketten, Netze, Ballpumpen... Die Luft wurde frostig. Die Tür öffnete sich von selbst. Und herein trat Nico Kienitz (alias als Jacob Marley – Patricks alter Weggefährte vom SVF), seit Jahren verschollen irgendwo zwischen Bezirksliga und Managerkarriere.
„Patrick... ich bin gekommen, dich zu warnen. Dein Herz ist kalt geworden wie ein leerer Vereinsbus im Februar. Wenn du so weitermachst, verlierst du nicht nur den Verein, sondern auch dich selbst. Drei Geister werden dich besuchen. Sei bereit!“
Mit einem letzten Kettenklirren verschwand er wieder.
Geist Nr. 1: Die Vergangenheit – Bernd-Hagen Richter
Mit einem leisen Surren erschien Bernd in nebeligem Licht, gekleidet in das alte Heimtrikot des SVF aus den 2000ern.
„Ich bin der Geist der vergangenen Weihnachtsfeste.“
Er berührte Patrick – und sie standen plötzlich am alten Ascheplatz. Es war ein Jugendspiel. Ein junger, ehrgeiziger Patrick schoss gerade das Siegtor in der B-Jugend. Auf der Tribüne jubelte Anna Schirnau als Belle, seine Jugendliebe.
Dann sah Patrick sich bei der ersten Vereinsweihnachtsfeier – damals lachte er, half beim Schmücken, spielte Gitarre. Doch mit jedem Jahr wurde er ernster, ehrgeiziger, distanzierter. Belle trat eines Tages traurig aus dem Vereinsleben zurück, als Patrick nur noch für Tabellen und Finanzen lebte.
„Du hast nicht nur den Ball, sondern auch dein Herz verloren“, flüsterte Bernd – und verschwand.
Geist Nr. 2: Die Gegenwart – Daniela Dressler
Es roch nach Glühwein, als der zweite Geist erschien: Daniela Dressler, festlich gekleidet mit SVF-Weihnachtsschal.
„Ich bin die Gegenwart – schau hin.“
Sie führten Patrick zu einer kleinen Wohnung. Dort saß Thomas Hartmann mit seiner Familie beim Abendessen. Sein Sohn Tiny Tim – zierlich, aber mit funkelnden Augen – hielt stolz einen SVF-Ball in den Händen. „Papa, nächstes Jahr spiele ich bei den Großen!“, rief er.
Thomas aber sah sorgenvoll aus dem Fenster. „Wenn wir keine neuen Trikots kriegen, spielt ihr im Frühjahr barfuß“, murmelte er.
„Sie glauben noch an den Verein“, sagte Daniela sanft. „Trotz allem. Aber wie lange noch?“
Sie zeigten Patrick auch das Vereinsheim, wo sich Jugendtrainer und Eltern zur Weihnachtsfeier versammelt hatten. Ohne ihn. Doch man sprach freundlich von ihm – als „strenger, aber guter Mann“. Christian Richter hielt eine Rede über Zusammenhalt. Patrick schluckte.
Geist Nr. 3: Die Zukunft – Alex Bittl
Der letzte Geist war still. Alex Bittl, als Geist der zukünftigen Weihnacht, trug ein dunkles Trikot, sein Gesicht war im Schatten. Er zeigte Patrick ein verfallenes Vereinsgelände. Die Tore waren eingerostet, die Linien verwischt. Ein Schild lag am Boden:
„Hier spielte einst der SV Friedersdorf 1920.“
Im Vereinsregister war der Name gestrichen. Keine Kinder mehr, keine Fans. Ein leerer Ort, wo einst das Herz des Dorfes schlug.
Patrick fiel auf die Knie.
„Nein! Ich werde mich ändern! Ich will dem Verein etwas zurückgeben!“
Abpfiff – oder doch der Anstoß zum Guten?
Patrick erwachte am Morgen des 24. Dezember in seinem Büro. Schneeflocken tanzten am Fenster. Er sprang auf, rannte zum Sportgeschäft, bestellte neue Bälle, Trikots, Trainingsleibchen. Er klopfte an bei Thomas Hartmann – mit einem Gutschein für neue Jugend-Ausrüstung.
Am Abend kam er – in SVF-Mütze – zur Weihnachtsfeier. Die Leute staunten. Patrick lachte, drückte Christian, umarmte Tim. „Du wirst ein Großer“, sagte er. „Und ihr alle seid mein Verein. Frohe Weihnachten!“
Und so wurde der SV Friedersdorf nicht nur auf dem Platz stärker – sondern auch im Herzen.
Denn ein Verein ist mehr als Siege – es ist Familie.
Frohe Weihnachten vom SV Friedersdorf!






